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Der Ulmer Neubau wächst in die Tiefe

Jeder, der an ein Bauvorhaben denkt, würde es als logisch empfinden, dass man mit dem Bauen von unten beginnt und dann nach und nach in die Höhe wächst. In Ulm allerdings herrscht eine verkehrte Welt. Im Rahmen der halboffenen Deckelbauweise wurde mit dem Bauen auf Oberflächenniveau begonnen und hat mittlerweile die Endtiefe des Bauwerks auf einem Niveau von zirka 18 Metern unter der Erdoberfläche erreicht.

Das sehr aufwändige und kostenintensive Bauverfahren kommt in Ulm zum Einsatz. Der Aufwand ist gerechtfertigt, denn der wertvolle Bauplatz direkt vor dem Hauptbahnhof erlangt künftig in seiner Funktion als ICE-Bahnhof mit direkter Anbindung an die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart eine noch größere Bedeutung.

Eingriff in Ulmer Verkehrsknoten 

Völlig neue Einblicke ergeben sich dem Baustellenbesucher, wenn er in einer Tiefe von über 18 Metern nach oben schaut und den Fußgängerverkehr über den beiden Behelfsbrücken sowie den Straßenbahnverkehr auf einer Teilfläche des Deckels beobachtet. Die Grundlage für diese tiefe Baugrube bildet eine Umfassung auf Bohrpfählen, die mit bis zu fünf Ankerlagen im anliegenden Verkehrsraum (Schienen und Straßen) verbunden ist. Viele vorhandene Einrichtungen musste man dabei erhalten, andernfalls wäre der Eingriff in die verkehrstechnische Hauptschlagader der Stadt Ulm kaum möglich gewesen. Weiterhin führt eine Stromtrasse mit 110 kV direkt über die Baugrube. Zudem musste der große Fußgängersteg über die Bahnanlage abgefangen werden und darüber hinaus Raum für die Führung des Straßenbahnverkehrs geschaffen werden.

Imposante Dimensionen herrschen an der Großbaustelle im Herzen Ulms vor

Aus diesen Gründen wurde nach Erstellung der Baugrubenumschließung aus Bohrpfahlwänden auf Oberflächenniveau eine teilweise Überdeckung mit einem Stahlbetondeckel ausgeführt. Dieser Deckel dient hauptsächlich zur Aufnahme des Straßenbahn- sowie des Fußgängerverkehrs. Für das neu entstehende Einkaufszentrum Sedelhöfe in Ulm wird auch gleichzeitig die vorhandene, mittlerweile viel zu kleine, unterirdische Fußgängerpassage abgebrochen und in größerer Form neu erstellt.

Hohe Ansprüche an die Tiefbauer

Der anstehende Boden hat die Arbeit der Tiefbauer nicht gerade erleichtert. Es gab teils erhebliche Probleme mit dem klüftigen Boden und mit der erforderlichen Wasserhaltung, zudem behinderten viele verstreute Bauteile aus früherer Bebauung die Arbeiten. Der sehr inhomogene Boden, in welchem die Befestigung der Anker oftmals nur schwer möglich zu bewerkstelligen war, hat immer wieder für neue Aufgabenstellungen gesorgt.

 

Sehen Sie hier den Videoclip zum Projekt in Ulm: bit.ly/2GsqvKm

 

Am 13. September ist Zwischenstation bei der Baumaßnahme. An diesem Tag werden die aufwändigen Spezialtiefbau, Abbruch- und Aushubarbeiten abgeschlossen sein und es erfolgt die Grundsteinlegung. Ab dann beginnt die Arbeit der Beton- und Stahlbetonbauer. Wie üblich wird dann von unten nach oben gebaut, allerdings beginnend in einer Tiefe von 18 Metern unter der Oberfläche und endend mit der Decke auf Erdgeschossebene.

Ein auf dem ersten Blick nicht unbedingt auffälliges Bauvorhaben findet dann seinen Abschluss. Gerade für den Laien wird oberflächlich betrachtet nur wenig zu sehen sein, wenn der freie Bahnhofsplatz wieder nutzbar ist. Für die Bauleute hingegen lohnt sich ein zweiter Blick auf dieses komplizierte und anspruchsvolle Bauwerk.

Von Peter Dechant

Blick aus der Tiefe auf die mächtige Unterfangung des Fußgängertunnels

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